Relevanz für die dentale Fertigung
In der dentalen Produktion führt das Fräsen keramischer Implantate und Restaurationen aus vorgesinterten Rohlingen zu erheblichem Materialverlust. „Bis zu 90 Prozent des Rohlings können als Fräsabfall anfallen – dennoch wird dieses Verfahren eingesetzt, weil jede Restauration ein Unikat ist“, sagte Dr. Siebert.
Additive Fertigung reduziert zwar den Materialverlust erheblich, erfordert jedoch in der Regel weiterhin ein nachgelagertes Sintern im Ofen. „Mit unserem Verfahren könnte ein vollständig fertiges dentales Implantat direkt aus dem Drucker entstehen – möglicherweise noch mit anschließender Politur, ansonsten aber komplett“, erklärte er. Der Wegfall des Ofens reduziert nicht nur den Energieverbrauch, sondern verkürzt auch den gesamten Workflow.
Dr. Siebert skizzierte ein mögliches Zukunftsszenario: „Mit diesem Verfahren könnte ein dentales Implantat innerhalb weniger Stunden fertiggestellt werden.“ Aus materialwissenschaftlicher Sicht erscheint ein Workflow mit intraoralem Scan am Morgen und fertiger Versorgung am selben Tag grundsätzlich denkbar.
Mechanik neu gedacht: Elastische Mikrostrukturen
Neben Zeit- und Energieaspekten betonte Dr. Siebert die konstruktive Gestaltungsfreiheit der additiven Fertigung. „Mit konventionellen Ofenprozessen lassen sich zwar akzeptable mechanische Eigenschaften erzielen“, sagte er. „Der 3D-Druck eröffnet jedoch zusätzlich die Möglichkeit, elastische Strukturen zu integrieren.“
Ein Implantat könnte eine harte Oberfläche besitzen, gleichzeitig aber eine insgesamt elastischere Architektur aufweisen – näher am biomechanischen Verhalten natürlicher Zähne. „Aktuelle Implantate sind sehr starr, was langfristig zum Verschleiß antagonistischer natürlicher Zähne beitragen kann“, erklärte er. Additive Fertigung könnte interne Gitterstrukturen integrieren, die die Steifigkeit reduzieren und Kräfte ähnlich wie natürliche Zähne verteilen.
Optische Eigenschaften als Designparameter
Nach Angaben von Dr. Siebert ermöglicht LAMP auch ästhetische Individualisierung. Durch Anpassung der Laserparameter lassen sich Transparenz und Oberflächenbeschaffenheit gezielt verändern. Das Team integrierte zudem Gold- und Silberionen in die Drucktinte, die während des Laserschmelzens metallische Nanopartikel bilden.
„Diese Nanopartikel wirken wie winzige optische Filter. Sie lassen bestimmte Wellenlängen passieren und blockieren andere“, sagte Dr. Siebert. Dadurch lässt sich die Farbwahrnehmung über Art, Größe und Verteilung der Partikel beeinflussen. Die Veröffentlichung in Materials and Design zeigt, wie optische Eigenschaften gezielt eingestellt werden können.
In der Zahnmedizin könnte dies langfristig patientenspezifische Anpassungen ermöglichen, um Restaurationen zu schaffen, die visuell nicht von natürlicher Zahnhartsubstanz zu unterscheiden sind. „Langfristig könnte es sogar möglich sein, mehrere keramische Pasten zu kombinieren, um Farbe und Transluzenz exakt einzustellen“, so Dr. Siebert.
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