„Die dentale Implantologie ist heutzutage eng verbunden mit der regenerativen Therapie“

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Dr. Michael Peetz (51), neuer CEO der CAMLOG Biotechnologies AG in Basel
Johannes Eschmann, DT Switzerland

By Johannes Eschmann, DT Switzerland

Fr. 24. April 2009

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BASEL – Dr. Michael Peetz ist neuer Chief Executive Officer (CEO) der CAMLOG Biotechnologies AG aus Basel. Der 51-Jährige war zuvor bei dem Unternehmen Geistlich Pharma tätig. Dental Tribune unterhielt sich mit Peetz über die Entwicklung des Implantatmarktes, Kontinuität in der Produktentwicklung sowie über weitere Arbeitsschwerpunkte bei CAMLOG.

Johannes Eschmann: Herr Dr. Peetz, seit Anfang des Jahres führen Sie den erfolgreichen  Implantathersteller CAMLOG als CEO und lösen damit Jürg Eichenberger in dieser Position
ab. Was hat Sie bewogen, nach 17 Jahren erfolgreicher Aufbauund Entwicklungsarbeit bei Geistlich Pharma eine neue Herausforderung anzunehmen?

Dr. Michael Peetz: Ohne unbescheiden wirken zu wollen, wenn ich meine Zeit bei Geistlich resümiere, so habe ich doch einiges bewegen und erreichen können. Die Geistlich Biomaterials sind unter meiner Leitung in ihrem Marktsegment zum Weltmarktführer aufgestiegen, und die Osteology Foundation, die wissenschaftliche Ansprüche der „Champions League“ erfüllt, ist durch ihre sehr erfolgreiche  Kongressreihe mit mehr als 2.500 Teilnehmern zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Deshalb erschien mir der jetzige Zeitpunkt genau richtig, um mich einer neuen Aufgabe zu widmen und meine langjährigen Erfahrungen in einen etwas anders gelagerten Bereich der Medtech-Industrie einzubringen.

Inwiefern nutzen Ihnen Ihre Erfahrung und das Beziehungsnetz aus dem Gebiet der regenerativen Produkte, Ihrem vorherigen Verantwortungsbereich?
Die dentale Implantologie ist heutzutage sehr eng mit der regenerativen Therapie verbunden. Jeder, der implantiert, wird sehr schnell die Feststellung machen, dass er mit augmentativen Verfahren zu besseren – manchmal überhaupt erst zu guten – Lösungsansätzen kommen kann. Wir haben also sowohl in der Dentalimplantologie als auch in der regenerativen Therapie grosso modo identische Problemstellungen, gleiche Operationstechniken und dieselben Kunden. Was die involvierten Heilungsprozesse betrifft, so ist der Sektor der Biomaterialien sogar noch komplexer als derjenige der Dentalimplantologie. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass meine vieljährigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Biomaterialien und des damit verbundenen wissenschaftlichen und klinischen Bereichs meiner neuen Funktion zugute kommen werden. Während meiner bisherigen Tätigkeiten stand ich in engem Kontakt mit etwa 100 Kliniken und Forschungszentren. Insofern sind mir die Denk- und Vorgehensweisen sowohl in der industriellen als auch in der wissenschaftlichen Sparte sehr geläufig und präsent.

„Schlechte Zeiten“ sind gute Zeiten für gute Manager. Wie sehen Sie die kurz- bis mittelfristige
Entwicklung in den Implantatmärkten?

Obwohl die jetzige Krise auch unsere Branche nicht ganz verschont, bin ich dennoch fest davon überzeugt, dass weiteres Wachstum stattfinden wird. Zumindest bei denjenigen Herstellern, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Der Vormarsch der Dentalimplantologie ist allgemein nicht aufzuhalten, denn die zahlreichen Vorteile dieser Therapie sind evident und werden der breiten Öffentlichkeit dank der Medien immer bewusster. Was zu kontinuierlicher Erhöhung des Nachfragedrucks in den Praxen führt. Ohne jetzt eine Differenzierung der globalen Märkte vorzunehmen, das würde zu weit führen, ist allgemein zu sagen, dass in vielen Märkten die Penetration der dentalen Implantologie bekanntlich noch niedrig ist, hier liegt nach wie vor großes Potenzial für uns. Für mich ist klar, woran wir schwerpunktmäßig arbeiten müssen und werden: Intensivierung der professionellen Aus- und Weiterbildung, klare Positionierung von CAMLOG, weiterer Ausbau der wissenschaftlichen Projekte und umfassende Dokumentation der Langzeiterfolge unserer Produkte; und auch Produkte, Systeme und Vorgehensweisen anbieten, die Behandlern, über den reinen Produktnutzen hinausgehend, einen umfassenden Service bieten können.

CAMLOGs Verwaltungsratspräsident Jürg Eichenberger prägte für die Entwicklung des Unternehmens den Begriff des „CAMLOG way“, was soviel meint wie nachhaltiges Wachstum, Kontinuität in der Produktentwicklung und im Marketing. Sehen Sie die Gefahr, dass die Konkurrenzentwicklung und die wirtschaftliche Situation CAMLOG zu kürzeren Intervallen in der Entwicklung und im Marketing zwingen könnten?
Der „CAMLOG way“, wie Sie dies sehr bildhaft nennen, hat sich hervorragend bewährt. Dies belegen die über die Jahre stets überdurchschnittlichen Wachstumsraten der Firma. Heute lässt sich zweifelsfrei feststellen, dass sich das besonnene CAMLOGVorgehen ausgezahlt hat – statt alles Neue mitzumachen, das von manchen in der Branche als vermeintliche Verbesserung der Therapie angeboten wurde und sich dann wenig später als teilweise problematisch herausgestellt hat. In extremis gesagt: Behandler und deren Patienten als Experimentierfeld zu benutzen, das lehnten und lehnen wir ab! Auch unter meiner Führung bleiben wir dieser Linie treu: CAMLOG wird nur ausgiebig getestete und bewährte Produkte, Systeme und Problemlösungen auf den Markt bringen.

Allgemein wird beklagt, dass, bedingt durch die niedrigen Zulassungshürden bei Medtech-Produkten, Implantatsysteme auf den Markt kommen, die nicht durch evidenzbasierte Studien ihre Qualität nachgewiesen haben. Was tut CAMLOG, um hier das Vertrauen der Behandler zu gewinnen?
Dies überschneidet sich teilweise mit dem, was ich zu Ihrer letzten Frage bereits erwähnt habe. CAMLOG hat sich mit seiner umsichtigen Methode viel Vertrauen im Markt erworben. Nicht durch aufwendige Marketingkampagnen und exotische Events, sondern durch kontinuierliche Entwicklungsarbeit und eine sukzessiv steigende Anzahl klinischer Studien. Genau dies ist der „CAMLOG way“, den das bewährte Team unter meiner Führung weiter beschreiten wird.

Mit der camlog foundation und der camlog academy verfügen Sie über eine solide wissenschaftliche Basis. Werden Sie diese Institutionen weiter ausbauen? Gleichzeitig sind Sie noch im Stiftungsrat der Osteology Foundation. Sehen Sie zwischen diesen beiden Organisationen potenzielle Schnittmengen?
Die camlog academy hat in relativ kurzer Zeit bereits über 1.000 Mitglieder gewonnen, sodass unser wissenschaftliches Standbein bereits sehr gut ausgeprägt und belastbar geworden ist. Ich persönlich halte es für essenziell, dass Forschung und Entwicklung auch in relativer Unabhängigkeit von reinen Produktinteressen stattfinden kann. Natürlich schließt dies nicht aus, sondern nach meinem  Verständnis impliziert es geradezu, dass das profunde Wissen der Materialexperten, der  Wissenschaftler und Kliniker bei Forschung und Entwicklung zusammengeführt wird, um neue Lösungen zu ermöglichen. Die camlog foundation ist hier stark involviert und gefordert. Dass dies der richtige Weg ist, haben die beiden ersten internationalen CAMLOG-Kongresse gezeigt, die auf sehr positive Resonanz gestoßen sind. Ganz sicher werden wir uns in der nahen Zukunft über die camlog foundation und camlog academy deutlich mit Wissenschaftlern und Klinikern verstärken. Meine Funktionen als Stiftungsratsmitglied der Osteology Foundation und als CEO der CAMLOG Biotechnologies AG sehe ich dabei nicht als Konkurrenz, sondern, genau wie die beiden dadurch repräsentierten Fachbereiche, als synergetisch. Beide können voneinander profitieren – zum Nutzen der Therapie und zum Wohle der Patienten.

Angenommen, Sie müssten einen Zahnarzt oder einen Zahntechniker für CAMLOG-Produkte begeistern, mit welchen Argumenten würden Sie versuchen, Ihren Gesprächspartner zu überzeugen?
Das Verkaufen überlasse ich ruhigen Gewissens unserer sehr erfolgreichen Außendienstmannschaft.
Davon abgesehen vertrete ich die Meinung, und werde diese auch berücksichtigen und mit den geeigneten operativen Maßnahmen konkretisieren, dass wir heutzutage verstehen müssen, dass die Kaufentscheidung beim Zahnarzt nicht nur vom Produkt allein abhängt. Vielmehr ist die Gesamtleistung des Unternehmens ausschlaggebend. Das heißt nach meinem Dafürhalten, dass die ganze Palette von kompletten Serviceleistungen inklusive Aus- und Weiterbildungsprogrammen, umfassende wissenschaftliche Langzeitdokumentation, spürbare Kompetenz aller Firmenmitarbeitenden sowie fundiertes Vertrauen in die nachhaltige Zusammenarbeit vorhanden sein müssen. Trotz meiner erst relativ kurzen Tätigkeit für CAMLOG kann ich bestätigen, dass all dies vorhanden ist. Als Indikatoren, die diese Aussage beispielhaft untermauern, möchte ich die hervorragenden CAMLOG-Marktpositionen in Deutschland und Österreich anführen. Hinzu kommen ein sehr faires Preis-Leistungs-Verhältnis und eine transparente, partnerschaftliche Preispolitik.

Wo sehen Sie CAMLOG am Ende dieses Jahres?
Wir haben uns anspruchsvolle Ziele gesetzt und sind davon überzeugt, dass wir auch 2009 erfreulich vorwärts kommen werden. Trotz der zahlreichen Unwägbarkeiten, die das Jahr birgt. Bei Wachstum und Ertrag wollen wir weiterhin Spitze bleiben. Dies wird nicht zuletzt unseren Kunden zugute kommen, denn nur eine ökonomisch erfolgreiche und solide finanzierte Firma kann die nötige Kontinuität aufweisen, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit unabdingbar ist. Gerade heute, auf dem Hintergrund der noch lange nicht überstandenen Turbulenzen und Verwerfungen, betrachte ich gegenseitiges Vertrauen als einen Schlüsselfaktor in der Zusammenarbeit – nur wenn eine Firma zuverlässig agiert, wird eine Zusammenarbeit auf lange Sicht auch planbar.

Wir danken Ihnen für dieses ausführliche Gespräch.

Erschienen in der Dental Tribune Swiss Edition 1+2/2009 und der Dental Tribune German Edition 2+3/2009

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