Berlin – Über Jahre galt das Berliner Versorgungswerk der Zahnärztekammer als stabile Säule der Altersvorsorge. Nun steht ein Schaden von mehr als einer Milliarde Euro im Raum. Das VZB hat deshalb eine umfassende Klage gegen frühere Verantwortliche, Prüfer, die apoBank und das Land Berlin eingereicht. Für rund 11.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte könnten die Folgen erheblich werden.
Das VZB teilte am 20. Mai mit, beim Landgericht Berlin II eine mehr als 2.000 Seiten umfassende Schadenersatzklage eingereicht zu haben. Die Klage richtet sich gegen insgesamt zwölf Beklagte, darunter das Land Berlin als Aufsichtsinstanz, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Forvis Mazars, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sowie frühere Mitglieder der VZB-Gremien.
Nach Angaben des VZB sollen frühere Verantwortliche über Jahre hinweg Vermögen der Mitglieder entgegen gesetzlicher Vorgaben und interner Richtlinien investiert haben. Statt breit gestreuter und liquider Anlagen floss Kapital unter anderem in Start-ups, Projektgesellschaften sowie Beteiligungen wie eine Recyclingfirma in Kalifornien, eine Garnelenfarm in Schleswig-Holstein oder ein Resortprojekt auf Ibiza. Ein Teil dieser Investments gilt inzwischen als insolvent oder stark entwertet.
Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf interne Gutachten und Untersuchungen von einem bislang attestierten Schaden von rund 1,2 Milliarden Euro. Das ursprüngliche Vermögen des Versorgungswerks lag einst bei rund 2,2 Milliarden Euro. Weitere Verluste seien laut VZB nicht ausgeschlossen. Parallel laufen strafrechtliche Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue und Korruption. Nach Informationen des Handelsblatts soll die Generalstaatsanwaltschaft Berlin inzwischen gegen mehr als 20 Beschuldigte ermitteln.
Besonders schwer wiegt für viele Mitglieder die Frage nach den Folgen für die eigene Altersversorgung. Laut Handelsblatt könnten Rentenkürzungen und Absenkungen von Anwartschaften je nach Versichertengruppe deutlich ausfallen. Das VZB selbst verweist bislang darauf, dass konkrete Prognosen noch nicht seriös möglich seien. Klar sei jedoch bereits jetzt, dass die Sanierung Jahre dauern dürfte.
Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Thomas Schieritz, sprach von einem „Finanz- und mutmaßlich auch Korruptionsskandal“, der ohne Beispiel in der Geschichte deutscher Versorgungswerke sei. Die nun eingereichte Klage versteht das VZB zugleich als Versuch, zumindest einen Teil der Verluste zurückzuholen und Rentenansprüche zu sichern.
Quellen: Offizielle Pressemitteilung des VZB; Handelsblatt
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