Dental Tribune Germany

„Auch der Dentalmarkt kann sich der gegenwärtigen Wirtschaftskrise nicht vollends entziehen.“

By Daniel Zimmermann, DTI
August 05, 2009

LEIPZIG/ZÜRICH – Nobel Biocare ist ein international tätiges Unternehmenim im Bereich der Implantologie, Prothetik und digitalen Zahnmedizin. Daniel Zimmermann, DTI, sprach mit dem Konzernchef Dominico Scala über Wirtschaftswachstum, Marktentwicklung und Investitionen in Zeiten der Krise.

Daniel Zimmermann: Herr Scala, Rolf Soiron hat diese Woche angekündigt, seinen Vorstandsposten im nächsten Jahr aufzugeben. Welche Konsequenzen zieht diese Entscheidung nach sich und gibt es schon einen Entscheid bezüglich seiner Nachfolge?
Dominico Scala: Rolf Soiron hat schon vor geraumer Zeit bekannt gegeben, dass er sich von einem seiner Industriemandate zurückziehen möchte. Insofern stellt sein Rückzug als Präsident von Nobel Biocare bis zur anstehenden Aktionärsversammlung am 25. März 2010 keine Überraschung dar. Jedes Unternehmen schätzt es jedoch, einen Präsidenten mit der Weitsicht und Persönlichkeit, wie sie Rolf Soiron hat, an der Spitze zu haben. Auf die Umsetzung der eingeschlagenen Strategie von Nobel Biocare hat sein Entscheid jedoch keinen Einfluss. Der Verwaltungsrat wird zu gegebener Zeit einen Nachfolger bekannt geben.

Das vergangene Quartalsergebnis wurde eher negativ bewertet. Zu welchen Anteilen sind die Ergebnisse konjunkturabhängig und zu welchen Anteilen hausgemacht?
Auch der Dentalmarkt kann sich der gegenwärtigen Wirtschaftskrise nicht vollends entziehen. Dies zeigen die Ergebnisse der diversen Marktteilnehmer seit einigen Quartalen. Wir haben jedoch in den letzten 18 Monaten intensiv daran gearbeitet, Nobel Biocare für die Zukunft gut aufzustellen. Wir arbeiten daran, uns stetig zu verbessern und investieren hierbei auch in Forschung und Produktenentwicklung, um unseren Kunden weiterhin attraktive Innovationen und Behandlungslösungen anzubieten.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den Geschäftsergebnissen?
Wir orientieren uns an langfristigen Zielen. Unsere strategischen Aufgaben stehen hierbei im Fokus und die Bedürfnisse unserer Kunden. Selbstverständlich arbeiten wir aber auch an unseren Kosten.

Können die Wachstumsmärkte in Asien oder Südamerika die Verluste der amerikanischen und europäischen Märkte langfristig auffangen? Oder glauben Sie an eine relativ rasche Erholung der Konjunktur?
Ich möchte nicht über die Zukunft spekulieren. In der gegenwärtigen Situation ist die Vorhersehbarkeit hierfür einfach zu gering. Was wir jedoch festhalten können ist, dass der Dentalmarkt auch langfristig ein attraktiver Markt mit vielen Chancen bleibt. Diese Chancen möchten wir wahrnehmen und darauf arbeiten wir hin.

Sie haben gerade einen IT-Service Vertrag mit Computer Sciences Corporation geschlossen. Sind weitere Sparmaßnahmen geplant?
Der Wechsel zu CSC als neuen IT-Partner war ein normaler Prozess. Wir haben heute andere Bedürfnisse und Ansprüche an unsere globale IT-Infrastruktur als noch vor einigen Jahren. Dass gleichzeitig auch Kosten optimiert werden konnten, ist nur einer der Vorteile.

Wie bitter stimmen Sie als Marktführer die derzeit kursierenden Übernahmegerüchte?
Diese Gerüchte zirkulieren seit mehreren Jahren und stören uns mittlerweile nicht mehr. Sie bestätigen jedoch, dass wir uns alle in einem interessanten und attraktiven Markt bewegen. Zu Spekulationen und Gerüchten äußern wir uns aber aus Prinzip nicht. 

Sie selbst bezeichnen die veränderte Dialogkultur als eine der wichtigsten Errungenschaften Ihrer Arbeit bei Nobel Biocare. Welche Erkenntnisse haben Sie durch diese Veränderung gewonnen und wie wurden diese umgesetzt?
Kunden, Forscher und Meinungsbildner arbeiten wieder gerne mit Nobel Biocare zusammen und bringen sich auch gerne ein, weil wir wieder hinhören und viel zu bieten haben. Frühere Kunden kommen wieder zurück und neue hinzu, weil sie von unseren Produkten und Lösungen und vom neuen Weg von Nobel Biocare überzeugt sind. Die Entwicklung bestärkt mich, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen. Wir sind aber selbstkritisch und wissen, dass wir in unserer Kundenorientierung noch besser werden müssen und daran arbeiten wir.

Bei der derzeitigen Lage ist es schwer über Investitionen zu sprechen. Wo liegen Ihre Schwerpunkte in diesem und im folgenden Geschäftsjahr?
Wir investieren auch in diesen Zeiten gezielt in die Entwicklung neuer Produkte und Lösungen, alleine letztes Jahr etwa 100 Millionen Euro. Unsere Produktoffensive bei NobelProcera ist nur ein Beispiel. Auch auf Implantatseite sind wir aktiv und arbeiten an Innovationen. Aber wir investieren auch in die Aus- und Weiterbildung sowohl unserer Mitarbeitenden als auch unserer Kunden.

Mit den Übernahmen von Optimet und AlphaBioTec haben Sie bereits auf wechselnde Marktbedingungen reagiert. Denken Sie über weitere Akquisitionen nach?
Natürlich prüfen wir interessante Optionen. Über unsere konkreten Pläne oder Projekte sprechen wir aber nicht.

Wie entwickelt sich die Markteinführung des NobelProcera? Was sind die wichtigsten Vorteile gegenüber herkömmlichen Systemen?
Wir sind mit der Markteinführung von NobelProcera sehr zufrieden. Der neue optische Scanner und die dazugehörige innovative Prothetiksoftware wecken bei Dentallabors sehr großes Interesse. Gleiches gilt für unser deutlich erweitertes Produktangebot im Bereich Prothetik.

Welche Vorteile ergeben sich für den Behandler und für den Patienten?
Der Behandler kann ab diesem Jahr bei Nobel Biocare aus einer umfassenden Auswahl an Behandlungsverfahren, Produkten und Materialien auswählen, um seinem Patienten die bestmögliche Lösung anbieten zu können. Der Patient erhält somit eine für ihn massgeschneiderte Lösung mit bester Passform, Funktionalität und Ästhetik.

Sehen Sie sich im wachsenden Markt der digitalen Zahnheilkunde gut platziert?
Ja, wir sind heute gut für die zunehmende Digitalisierung in der Zahnmedizin aufgestellt und wir werden uns noch besser positionieren.

Vielen Dank für das Interview!

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