Dental Tribune Germany

Globale Belastung durch orale Erkrankungen wächst

von Rebecca Michel - Dental Tribune DACH
October 02, 2019

LONDON, Großbritannien – Eine neue umfangreiche Artikelserie des Fachmagazins The Lancet sorgt für Furore.

Die internationale Autorengruppe rund um Hauptautor Prof. Richard Watt, PhD. MSc, BDS, FFPH (University College London, UCL) stellt darin der modernen Zahnmedizin ein fragwürdiges Zeugnis aus. Die Ergebnisse ihrer globalen Mundgesundheitsstudie zeigen, dass die weltweite Belastung durch orale Erkrankungen bisher trotz wissenschaftlicher und technischer Fortschritte in den letzten 30 Jahren nicht reduziert werden konnte. Im Gegenteil sogar: Durch erhöhten Alkohol-, Tabak- und vor allem Zuckerkonsum in verarbeiteten Lebensmitteln wächst diese stetig. „Die Zahnheilkunde befindet sich in einer Krise“, so Prof. Watt. „Bislang waren sowohl die zahnärztliche Versorgung als auch die Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit weitgehend unzureichend, ungerecht und kostspielig, sodass Milliarden von Menschen keinen Zugang zu einer grundlegenden Mundgesundheitsversorgung hatten. Dieser Einbruch an Leistungen in der oralen Gesundheitsversorgung ist nicht die Schuld von einzelnen Zahnärzten, die sich für die Versorgung ihrer Patienten einsetzen, und es ist schlichtweg ein grundlegendes Umdenken erforderlich, um die globale Belastung durch orale Erkrankungen wirksam zu bekämpfen.“

Unterentwickelt und kostspielig

Munderkrankungen, einschließlich Zahnfäule, Zahnfleischerkrankungen und Mundkrebs, betreffen fast die Hälfte der Weltbevölkerung, wobei Karies das weltweit häufigste Leiden ist. Krebs der Lippen und der Mundhöhle gehören zu den 15 häufigsten Krebserkrankungen der Welt. Die Behandlung von oralen Leiden kostet EU-weit 90 Mrd. Euro pro Jahr und ist damit die drittteuerste Erkrankung nach Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Ländern mit mittlerem Einkommen ist die Belastung durch Munderkrankungen besonders beträchtlich, doch Mundpflegesysteme sind häufig unterentwickelt und für die Mehrheit unerschwinglich. In einkommensschwachen Ländern ist die derzeitige Situation sogar noch dramatischer – selbst eine grundlegende Zahnpflege ist häufig nicht verfügbar und die meisten Krankheiten bleiben unbehandelt.

Zuckerindustrie floriert

In Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen verzeichnet die Studie parallel einen rasch wachsenden Absatzmarkt für zuckerhaltige Getränke – während der Konsum derselben in einkommensstarken Ländern am höchsten ist, ist das Umsatzwachstum von Softdrinks in vielen der schwächeren Länder erheblich. Bis 2020 will Coca-Cola 12 Milliarden US-Dollar für die Vermarktung seiner Produkte in ganz Afrika ausgeben, im Gegensatz zum jährlichen Gesamtbudget der WHO von 4,4 Mrd. USD (2017). Vor allem der hohe Zuckergehalt in industriell gefertigter Babynahrung gibt den Forschern Grund zur Besorgnis.

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