Dental Tribune Germany

Globales Übereinkommen zu Quecksilber

von Jeannette Enders, DTI
March 06, 2009

FRANKFURT AM MAIN/NAIROBI/LEIPZIG – Spätestens bis 2013 soll Quecksilber weltweit aus dem Verkehr gezogen werden. Darauf einigten sich jetzt die Umweltminister der Vereinten Nationen bei ihrem Treffen in Nairobi. Eine Arbeitsgruppe werde damit beauftragt, den Beschluss bis zum nächsten Treffen des UNEP (UN-Umweltprogramms)-Verwaltungsrates in Nairobi 2011 in eine Verordnung umzusetzen.

„Quecksilber ist eines der tödlichsten Gifte“, so Nick Nuttall, Sprecher des UN-Umweltprogrammes UNEP, laut Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und Bundesumweltminister Gabriel erklärte vor Journalisten der ARD, dass das Verbot von Quecksilber, einem der giftigsten Metalle auf unserem Planeten, eine beschlossene Sache sei. „Es wird einen echten Verhandlungsauftrag geben, um in zwei Jahren zu einem Ergebnis zu kommen, wie wir Quecksilber weltweit aus dem Verkehr ziehen“, so Gabriel. Der Bundesumweltminister lobte das Auftreten der amerikanischen Delegation in Nairobi. Die USA hätten bisher jede Einigung auf ein Verbot von Quecksilber verhindert. Mit dieser Entscheidung ist das Thema des quecksilberhaltigen Amalgams als Füllungsmaterial für Kavitäten im Okklusionsbereich der Seitenzähne hoffentlich bald endgültig vom Tisch.

Zahnärzte in Europa setzen etwa 70.000 bis 90.000 Kilogramm Quecksilber pro Jahr ein. In den Gebissen der Europäer „lagern“ rund 2.000 Tonnen Quecksilber, so die Angaben des Robert Koch-Instituts Berlin. Jährlich werden in der EU etwa 70 Tonnen Quecksilber für neue Füllungen verbraucht. Die Zahnärzte sind damit die zweitgrößten Anwender von Quecksilber in der EU. Nach Angaben des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universitätsklinik Freiburg liegen in den Zähnen der Deutschen noch ungefähr 200 bis 300 Millionen Amalgamfüllungen.

Hauptaufnahme von Quecksilber für den Menschen ist die Nahrung, vor allen Dingen durch Meeresfrüchte und Fisch. Quecksilber lagert sich als Methyl-Quecksilber in Plankton wie in Pflanzen ab und hält sich in der Nahrungskette bis zum Endverbraucher an. In den 50er-Jahren erkrankten in Japan tausende Menschen, weil sie quecksilberverseuchte Fische und Muscheln aus der Minamata-Bucht gegessen hatten, in die eine Chemiefirma Quecksilber-Methylat eingeleitet hatte. Zahlreiche Menschen starben.

Ein weiterer Aufnahmeweg ist die Luft in Form von Quecksilberdampf, welcher pulmonal resorbiert wird. Quecksilberdämpfe entstehen bei Mülldeponiebränden, offener Lagerung von Quecksilberabfällen und bei ausgelaufenen Quecksilberthermometern. Elementares Quecksilber wird rasch ausgeschieden. Das Quecksilber in den Dämpfen ist fettlöslich und lagert sich in Gehirn und Niere ab. Es wirkt dort stark toxisch, schädigt die Nervenzellen und die Nierenfunktion.


Die Diskussion über den Einsatz von Amalgam wird seit Jahren kontrovers geführt. Befürworter von Amalgamfüllungen sehen die Belastung der Amalgamträger als einen entsprechenden Bruchteil der täglich über die Nahrung und Luft aufgenommenen Menge Quecksilber. Dabei ist nicht die Konzentration im Speichel, sondern im Urin aussagekräftig.

Aus der Füllung gelöstes elementares und anorganisches Quecksilber wird nur in äußerst geringen Mengen im Darm resorbiert. Ferner entstehen lediglich bei der Verarbeitung, während des Einbringens oder des Extrahierens einer Füllung, Quecksilberdämpfe. Dadurch sind Zahnärzte und Zahntechniker
einer höheren Belastung ausgesetzt.

Amalgamgegner sehen dagegen in mehreren Studien und Untersuchungen bestätigt, dass Amalgamträger einer höheren Belastung ausgesetzt sind. Die Körpertemperatur genüge, damit Quecksilber aus der Füllung ausdampfen kann. Dies wird unterstützt durch die Kaubelastung und unterschiedliches Putzverhalten. Nach den Ergebnissen zeige sich eine erhöhte Quecksilberablagerung in den Organen von Amalgamträgern.

Fakt ist: Die klinischen Resultate belegen unzweifelhaft das besondere und häufige gesundheitliche Risiko durch die Inhaltsstoffe des Amalgams bei seiner Verwendung als dentaler Werkstoff.

In zahlreichen Ländern bemüht man sich, Quecksilber ganz aus Handel und Industrie zu bannen. Die schwedische Regierung beschloss bereits am 15. Januar 2009, das flächendeckende Verbot von Quecksilber einzuführen. Die Europäische Union hat vor zwei Jahren ein Exportverbot und schärfere Lagerbestimmungen festgelegt, die 2011 in Kraft treten. Gleiches gilt für die Vereinigten Staaten von 2013 an.

(Erschienen in der Dental Tribune Germany 2+3/2009)

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