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Interview: „Das CAD/CAM-System fasziniert mich noch heute jeden Tag“

By Dental Tribune International
February 18, 2020

Dr. Gertrud Fabel ist niedergelassene Zahnärztin aus München, langjährige CEREC-Anwenderin und wichtige Meinungsbildnerin von Dentsply Sirona. Sie ist CEREC-Mentorin und zertifizierte CEREC-Trainerin der International Society of Computerized Dentistry und hält weltweit Vorträge zum Thema digitale Chairside-Zahnmedizin. Dental Tribune International verriet die Expertin, wie digitale Technologien und insbesondere das CEREC-System ihren Arbeitsalltag verändert haben.

Frau Dr. Fabel, was hat ursprünglich Ihr Interesse an der digitalen Zahnmedizin geweckt?
Als CEREC-Trainerin sowie auf Prothetik und ästhetische Zahnheilkunde spezialisierte Zahnärztin ist die digitale Zahnheilkunde für mich seit geraumer Zeit selbstverständlich. Seinen Anfang nahm dies vor etwas mehr als zehn Jahren, als ich mich für den Masterstudiengang Clinical Dental CAD/CAM an der Universität Greifswald eingeschrieben hatte. Seitdem begeistern mich die Technologie und die Möglichkeiten, die daraus erwachsen.

„Wir haben uns für diesen digitalen Weg entschieden, weil wir darin weniger eine Modeerscheinung, denn einen echten Mehrwert für unsere Arbeit sehen“

Wie digital ist Ihre Praxis?
Gemeinsam mit meinem Mann arbeite ich in einer Gemeinschaftspraxis. Darin nutzen wir das gesamte Spektrum der digitalen Zahnmedizin – angefangen beim digitalen Röntgen über CEREC bis hin zur Funktionsanalyse und zu kieferorthopädischen Indikationen. Zu unserer überörtlichen Gemeinschaftspraxis gehört auch ein Praxislabor mit zwei Zahntechnikern, die CAD/CAM-unterstützt Zahnersatz herstellen.

Wir haben uns für diesen digitalen Weg entschieden, weil wir darin weniger eine Modeerscheinung, denn einen echten Mehrwert für unsere Arbeit sehen. Wir können wiederholbar sehr genaue Ergebnisse erzielen – auch beim Röntgen. Fehler, die durch das Handling auftreten können, werden minimiert.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Vorteil digitaler Prozesse und was sind die Hürden?
Es gibt nicht den einen Vorteil, sondern sehr viele Aspekte, die für digitale Prozesse in einer Zahnarztpraxis sprechen. Angefangen bei der Zeitersparnis – vieles geht einfach deutlich schneller –, über die Bequemlichkeit für uns als Behandler und Team sowie für die Patienten bis hin zu den verlässlich sehr guten Ergebnissen. Dazu kommt auch, dass wir mit digitaler Hilfe unsere Praxis bestens managen, Patientenfälle sicher und schnell dokumentieren und unsere gesamten Abläufe effizienter gestalten können. Letztlich steigert das auch die Rentabilität der Praxis.

Auf dem Global CEREC KOL Summit präsentierte Dentsply Sirona seine neue Schleif- und Fräseinheit, CEREC Primemill. © Dental Tribune International

Die Hürden liegen meiner Meinung nach größtenteils in uns selbst: Wir als Zahnärzte sollten es wollen und die Chancen einfach nutzen. Denn das Besondere ist ja, dass uns digitale Technologien nichts wegnehmen. Auf unser Geschick kommt es genauso an wie eh und je. Zusätzlich erhalten wir durch technische Hilfsmittel den Freiraum, uns intensiv um unsere Patienten zu kümmern – und darum geht es letztlich doch.

Wann und warum haben Sie von der konventionellen auf die digitale Abformung umgestellt?
In unserer Praxis arbeiten wir seit 2008 mit der digitalen Abformung und nutzen sie für nahezu alle prothetischen Fragestellungen, auch kieferorthopädische Indikationen und Bisshebungen. Konventionelle Abformungen machen wir derzeit nur noch für herausnehmbare Prothetik.

Wir arbeiten dank der digitalen Technologien viel genauer und schneller. Wir sehen aber neben diesen klinischen Vorteilen auch die Aspekte der Materialeinsparung und des Behandlungskomforts. Patienten schätzen es sehr, dass wir praktisch nicht mehr mit einem Löffel abformen und dass sie weniger Zeit für einen Termin einplanen müssen. Und schließlich: Es rechnet sich einfach für die Praxis.

Sie arbeiten seit fast drei Jahrzehnten als Zahnärztin. Was sind die größten Entwicklungen, die das Arbeiten in der Praxis während dieser Zeit verändert haben?
Digitale Technologien haben unsere Arbeit natürlich sehr verändert. Hinzugekommen sind aber auch viele neue Materialien und Behandlungstechniken. Wie in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Humanmedizin, können wir heute die Patienten viel schneller, sicherer und vor allem angenehmer versorgen.

Die größte Veränderung lag sicherlich beim digitalen Röntgen und bei CEREC. Das CAD/CAM-System fasziniert mich noch heute jeden Tag.

Seit 2015 sind sie CEREC-Mentorin und seit drei Jahren leiten Sie in München und Berlin „CEREC für Dentistas“-Kurse. Was genau ist das für ein Fortbildungsangebot?
Bei diesen Kursen handelt es sich um CAD/CAM-Schulungsangebote für Zahnärztinnen. Hintergrund ist, dass Frauen in unserem Beruf durchaus einen anderen Zugang zu Technologie haben. Sie sind an kleinsten Details interessiert und arbeiten sehr teamorientiert. Ich erlebe es immer wieder, dass es sich anders anfühlt, Techniken in einem rein weiblichen Umfeld zu erlernen, die Offenheit untereinander und die ungezwungene Atmosphäre sorgen für ein ganz besonderes Lernklima.

Die Zahlen aus den Universitäten legen nahe, dass in der Zahnmedizin künftig mehrheitlich Frauen tätig sein werden. Aus diesem Grund ist es nur natürlich, für ihre Bedürfnisse auch entsprechende Fortbildungsangebote zu schaffen. Das wertet andere Kurse nicht ab oder macht sie gar überflüssig, sondern stellt einfach eine wichtige Ergänzung des gesamten Portfolios dar.

„Ich denke, dass wir noch lange nicht am Ende sind, wenn wir über digitale Prozesse in unseren Praxen sprechen“

Welche digitale Vision haben Sie für die Zukunft? Was müsste noch erfunden oder entwickelt werden?
Zahnärztin zu sein bedeutet für mich, ein Leben lang zu lernen. Insofern verfolge ich die Entwicklungen, die in unserem Fachgebiet stattfinden, sehr interessiert. Ich denke, dass wir noch lange nicht am Ende sind, wenn wir über digitale Prozesse in unseren Praxen sprechen.

Für mich ist die funktionelle Zahnheilkunde sehr wichtig: Hier hoffe ich, dass uns mit einem Intraoralscanner die Aufzeichnung der echten Kaubewegung sowie ein Face-Scan gelingt. Das wäre insbesondere in der Zusammenarbeit mit dem Labor wichtig – auch ein Zahntechniker benötigt ein Gesicht zu seiner Arbeit. Der Datentransfer sollte deutlich mehr als das STL-Gitter der Zähne umfassen.

Wir sehen schon heute teilweise den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Diese könnte uns helfen, die Daten von Kau- und Okklusionsmustern auszuwerten und in bestimmten Zeitintervallen zu vergleichen.

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