Norwegen – Wie Baumringe speichern auch Milchzähne Informationen aus der frühen Entwicklung. Forschende der Universität Bergen zeigen anhand der weltweit größten Milchzahnbiobank, dass sich Umweltbelastungen und Nährstoffeinflüsse aus Schwangerschaft und Kindheit noch Jahre später im Zahngewebe nachweisen lassen.
In ihrer Dissertation untersuchte die Zahnärztin und Wissenschaftlerin Synnøve Stokke Jensen, inwieweit Milchzähne Umwelt- und Entwicklungseinflüsse aus Schwangerschaft und früher Kindheit dauerhaft speichern. Grundlage der Arbeiten sind Daten der norwegischen Mutter-Vater-Kind-Kohorte MoBa sowie die MoBaTooth-Biobank, die nach Angaben der Universität Bergen die weltweit größte Sammlung natürlich ausgefallener Milchzähne mit zugehörigen Gesundheitsdaten umfasst.
Dentin als biologisches Archiv
Da sich Zähne schichtweise entwickeln, ähnlich den Jahresringen eines Baumes, lassen sich Belastungen und Einflüsse bestimmten Entwicklungsphasen zuordnen. So könnten sowohl essentielle Spurenelemente als auch Umweltkontaminanten über viele Jahre erhalten bleiben.
Eine der in die Dissertation einbezogenen Untersuchungen ermittelte Referenzwerte verschiedener Spurenelemente in Milchzähnen. Eine weitere Studie zeigte einen engen Zusammenhang zwischen der Bleibelastung von Müttern während der Schwangerschaft und den später in den Milchzähnen ihrer Kinder gemessenen Konzentrationen. Dies spricht dafür, dass die Zähne Belastungen bereits aus der vorgeburtlichen Entwicklung dokumentieren können.
Die dritte Untersuchung beschäftigte sich mit Kindern mit und ohne Autismus-Spektrum-Störung. Dabei zeigten sich Unterschiede in bestimmten Spurenelementmustern während der frühen Entwicklung. Nach Angaben der Autorin lassen sich daraus jedoch keine diagnostischen Aussagen ableiten. Vielmehr könnten Milchzähne künftig dazu beitragen, mögliche Umweltfaktoren bei neurodevelopmentalen Erkrankungen besser zu untersuchen.
In ihrer Dissertation kommt Stokke Jensen zu dem Schluss, dass Milchzähne ein erhebliches Potenzial als Biomarker in der epidemiologischen Forschung besitzen. Ob sich daraus künftig konkrete diagnostische oder präventive Anwendungen ergeben, bleibt jedoch Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Literatur
Synnøve Stokke Jensen (2025). Biomarkers in human primary teeth in epidemiological research : The Norwegian Mother, Father and Child Cohort study (MoBa) and the MoBaTooth Biobank. https://hdl.handle.net/11250/5324792
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