Göteborg – Snus steht in Zusammenhang mit Schäden am Zahnfleisch. Beim Thema Karies bleibt die Datenlage dagegen uneinheitlich. Und für neue tabakfreie Nikotinbeutel fehlt es bislang weitgehend an belastbarer Forschung. Darauf weist eine aktuelle Übersichtsarbeit der University of Gothenburg hin.
Ein Forschungsteam hat 26 europäische Studien zu schwedischem Snus und dessen Einfluss auf die Mundgesundheit ausgewertet. Das Gesamtbild ist dabei sehr differenziert.
Konsistent zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Snus und Zahnfleischrückgang, insbesondere an der Stelle, an der das Produkt platziert wird. Auch erhöhte Entzündungswerte wurden in mehreren Studien beobachtet, selbst wenn Unterschiede in der Plaquemenge berücksichtigt wurden. Das Risiko fällt bei Portionssnus geringer aus als bei losem Snus. „Wenn man die Daten zusammen betrachtet, zeigt sich, dass Snus lokal auf das Zahnfleisch wirkt“, sagt Mats Jontell von der Sahlgrenska Academy.
„Es geht nicht nur um den mechanischen Druck. Offenbar kommt eine entzündliche Reaktion hinzu, die langfristig zu Knochenabbau und Zahnfleischrückgang führt. Für eine zerstörerische Parodontitis sehen wir jedoch keine eindeutigen Belege.“
Beim Thema Karies ergibt sich kein klares Bild. Einige Studien berichten über mehr kariöse oder gefüllte Zähne bei Snus-Nutzern, andere finden keinen Unterschied. Ein direkter Zusammenhang lässt sich daraus derzeit nicht ableiten. Ein sensibler Bereich ist die Schwangerschaft. Eine der größeren in die Analyse einbezogenen Studien zeigt, dass Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft Snus konsumierten, häufiger mit einer Gaumenspalte geboren wurden. Dieses erhöhte Risiko bestand nicht bei Frauen, die den Konsum vor der ersten Vorsorgeuntersuchung beendet hatten.
„Das ist kein Beweis für Kausalität, aber ein relevantes Signal aus Public-Health-Sicht“, sagt Maria Bankvall. Der Konsum von Nikotinprodukten in der Schwangerschaft sei nicht risikofrei – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Snus bei jungen Frauen zunehmend verbreitet ist.
Die größte Wissenslücke sehen die Forschenden bei tabakfreien Nikotinbeuteln, häufig als „weißer Snus“ bezeichnet. Diese haben den klassischen Snus in vielen Bereichen bereits abgelöst und werden vor allem von jungen Menschen und Frauen verstärkt genutzt. Gleichzeitig fehlen nahezu vollständig Langzeitdaten zu den Auswirkungen auf die Mundgesundheit. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass auch hier Veränderungen der Mundschleimhaut auftreten können, möglicherweise in anderer Form als bei traditionellem Snus. Die Autoren betonen, dass die Mehrheit der ausgewerteten Studien beobachtend angelegt ist. Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge lassen sich daraus nicht sicher ableiten. Faktoren wie Lebensstil, Mundhygiene oder sozioökonomische Bedingungen können die Ergebnisse beeinflussen.
Die Übersichtsarbeit basiert auf einer systematischen Analyse mehrerer wissenschaftlicher Datenbanken. Die Qualität der Studien wurde vor der Aufnahme bewertet. Finanziert wurde die Arbeit unabhängig von der Tabak- oder Nikotinindustrie.
Quelle: University of Gothenburg
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