Rochester – Manche Babys knabbern mit sechs Monaten schon sichtbar, andere lassen sich Zeit mit dem Zahnen bis zum ersten Geburtstag. Wann das erste Zähnchen wirklich durchbricht, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Ein Forscherteam der Univerity of Rochester ist dem jetzt nachgegangen und hat analysiert, ob sich eventuell im Speichel der Mutter während der Schwangerschaft Hinweise auf den späteren Zahndurchbruch finden.
Die Arbeit ist kürzlich in Frontiers in Oral Health erschienen.1 Untersucht wurden 142 Mutter-Kind-Paare aus einer Geburtskohorte. Die Frauen gaben im letzten Schwangerschaftsdrittel ihre Speichelproben zur Prüfung ab. Darin bestimmten die Forschenden mehrere Hormone, die mit Stress und Stoffwechsel zu tun haben, unter anderem Cortisol, Estradiol, Progesteron, Testosteron sowie die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Parallel dazu wurden die Kinder nach der Geburt regelmäßig zahnärztlich kontrolliert, und zwar mit sechs, zwölf, achtzehn und vierundzwanzig Monaten. Bei jeder Visite wurde einfach gezählt, wie viele Milchzähne bereits zu sehen waren. Mit sechs Monaten hatte nur ein kleiner Teil der Kinder überhaupt Zähne, mit zwei Jahren dagegen war bei einem guten Viertel das komplette Milchgebiss mit 20 Zähnen durchgebrochen. Der Rest lag irgendwo dazwischen.
Als grober Marker für psychischen Stress wurde zusätzlich erfasst, ob die Mutter in der Schwangerschaft wegen einer Depression oder Angststörung diagnostiziert worden war. Diese klinischen Diagnosen zeigten jedoch keinen klaren Zusammenhang mit der Zahl der durchgebrochenen Zähne. Anders sah es hingegen bei den Speichelhormonen aus. Hier fanden sich an einzelnen Messzeitpunkten Zusammenhänge, besonders Cortisol stach in diesem Kontext heraus. Kinder von Müttern mit sehr hohen Cortisolwerten hatten im Alter von sechs Monaten im Mittel mehrere Zähne mehr als Kinder aus der Gruppe mit den niedrigsten Cortisolspiegeln. Auch für Estradiol, Progesteron, Testosteron und T3 zeigten sich statistische Zusammenhänge mit der Zahl der Zähne bei einzelnen Visiten. Die Studienautoren diskutieren im Rahmen ihrer Ergebnisse, dass diese Hormone in Knochenwachstum, Mineralisation und allgemeinen Stoffwechselprozessen mitspielen und damit auch den Zeitpunkt des Zahndurchbruchs beeinflussen könnten.
Die Autoren bleiben bei der Einschätzung ihrer vorgelegten Ergebnisse jedoch mehr als vorsichtig, denn die Kohorte ist vergleichsweise klein, die Hormonmessung erfolgte nur zu einem Zeitpunkt und viele Faktoren wie bspw. Ernährung, akute und chronische Erkrankungen, systemische Faktoren, Medikamente oder auch Umwelteinflüsse spielen zusätzlich hinein.
Anmerkung der Redaktion:
- Meng, Y., et al. (2025). Prenatal maternal salivary hormones and timing of tooth eruption in early childhood: a prospective birth cohort study. Frontiers in Oral Health doi: 10.3389/froh.2025.1663817.
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