Dental Tribune Germany

Deutsches Dentallabor in Singapur

von Daniel Zimmermann, DTI
October 01, 2009

Matthias Kaiser leitet als geschäftsführender Gesellschafter seit fast 20 Jahren die Dentallabors Kaiser Dental Laboratories in Singapur und proDentum Dentaltechnik in Berlin. Anlässlich des FDI-Weltkongress sprach Daniel Zimmermann, DTI, mit über die Dentalbranche in Asien, insbesondere in Singapur.

Daniel Zimmermann: Warum haben Sie sich vor 20 Jahren entschieden, ein Zahnlabor in Singapur aufzubauen?
Matthias Kaiser
: Die Idee kam von unserem Bruder Christoph Kaiser. Er hatte sich Mitte der achtziger von einem französischen Labor anwerben lassen. Da ihm als ur-deutschem Zahntechniker die Qualitätsansprüche nicht reichten, gründete er zusammen mit seiner Frau Farida Kaiser 1987 das Kaiser Dental Laboratory. Um den Vertrieb in Deutschland zu organisieren, gründeten die Brüder Matthias und Axel Kaiser das Familienunternehmen proDentum in Berlin. Diese Konstruktion hat sich als sehr stabil erwiesen. Qualität in Technik und Service war für uns immer noch wichtiger als der günstige Preis. Der Markt für einen Preiswettbewerb, wie zum Beispiel in Frankreich, wurde von uns allerdings als Pionierarbeit angesehen. Seitdem haben wir viele Nachahmer gefunden, die immer den günstigsten Standort suchen. Für die anspruchsvollen Arbeiten kaufen aber immer noch einige Wettbewerber bei uns in Singapur ein.

Seit den neunziger Jahren haben einige asiatische Staaten wie Singapur großes Wachstum erlebt. Hat sich das auch in der Dentalbranche niedergeschlagen?
Zahntechnik ist und bleibt vorläufig ein Handwerk. Große effektive Einheiten wie in anderen Fertigungsbereichen wie etwa der Textilindustrie sind nicht nachzuempfinden. Auch wenn es in China inzwischen Riesenlabors gibt, bleibt die individuelle Ausbildung und zahntechnische Routine ein Problem. Alle anderen internationalen Labors sind aus Singapur verschwunden und produzieren nun in China und Vietnam. Allerdings zu höchst unterschiedlichen Bedingungen und Qualitäten.

Wie sehen heute die Arbeitsbedingungen in Singapur aus? Sind sie mit Deutschland vergleichbar?
Ein gut ausgebildeter Zahntechniker verdient in Singapur genauso viel wie in Berlin. Die Lebenshaltungskosten sind sehr gestiegen in den vergangenen Jahren. Die effiziente Arbeitsorganisation, optimale Auslastung der Ressourcen und sehr niedrige Lohnnebenkosten machen die Produktionskosten aber nach wie vor attraktiv, so dass der Patient in Deutschland und den anderen Ländern viel spart. Dadurch, dass das Labor in Singapur vom deutschen TÜV zertifiziert wurde, sind auch die Rahmenbedingungen für die Produktion mit denen in Deutschland mehr oder weniger identisch.

Für welche Märkte wird der Zahnersatz in Singapur hauptsächlich produziert?
Unser Labor arbeitet zu etwa 70 Prozent für den deutschen und österreichischen Markt. 10 Prozent gehen nach Norwegen und Holland. 20 Prozent und das ist der am schnellsten wachsende Markt, sind die anspruchsvollen Zahnärzte in Singapur selbst und in den angrenzenden asiatischen Ländern. Die Patienten lassen sich also von gut ausgebildeten Zahnärzten in der Heimat behandeln, bezahlen aber den niedrigen Preis für Behandlung und hochwertige Zahntechnik aus Singapur.

Bieten Sie Ihre Leistungen auf dem klassischen Weg oder über das Internet an?
Ganz klassisch, denn alle Versuche, EDV-gestützte Abwicklung zu installieren sind bis jetzt an der Schnittstelle zum Zahnarzt gescheitert.

Auf der IDS im März wurde deutlich, dass der automatisierten Fertigung von Zahnersatz wohl die Zukunft gehört. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und wird sich der Trend auch in Asien fortsetzen?
Im technologieverliebten Asien werden alle diese Ideen sicher noch schneller aufgegriffen werden als in Europa. Bis allerdings diese Techniken in der Praxis funktionieren, wird noch einige Zeit vergehen. Wenn die VMK-Krone per CAD/CAM nur noch so viel kostet wie die Handarbeit in China oder Singapur, dann wird sich vielleicht etwas ändern. Aber dann brauchen wir keinen von Import von Zahnersatz mehr. Das sehe ich noch lange nicht.

Der Präsident von STD Lab Management in Peking hat kürzlich in unserer Zeitung die Anzahl der in China vorhanden Zahnlabore auf 8.000 geschätzt. Wie ist dieses Potential einzuschätzen?

In China ist alles exponentiell groß entwickelt. Es ist eine Frage der Qualität und der Nachfrage. Alle, die in China Zahnersatz einkaufen, stellen schnell ernüchtert fest, wie schwierig das Geschäft tatsächlich sein kann. Ich glaube eher, die chinesischen Labors werden für die Nachfrage der wachsenden Mittelschicht in China selbst produzieren.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, selbst in den chinesischen Markt einzusteigen?
Ja, natürlich. Wenn man Angebote bekommt, eine VMK für 8 Euro einzukaufen, dann wird man schon nachdenklich. Wenn man die Produkte sieht, weiß man aber auch, warum man Zahntechnik nicht wie Textilien einkaufen kann. Wir warten in asiatischer Geduld darauf, dass in China die Kosten explodieren und dann sind wir wieder technologisch auf der gleichen Höhe aber organisatorisch und vom Marketing her viel weiter. Die Tendenz zeigt die Richtigkeit unserer Überlegungen.

Des Weiteren ist demnächst die Eröffnung einer Zahnklinik für deutschsprachige Einwohner in Singapur geplant? Welche Leistungen werden Sie dort anbieten können?
Die Klinik ist bereits eröffnet und wir arbeiten für Patienten aus Singapur, die vor allem hochwertige Implantologie nachfragen. Natürlich sind auch viele der in Singapur lebenden Expatriates darunter. Deshalb würden wir gerne einen deutschen Zahnarzt einstellen. Allerdings verweigert die Zahnärztekammer Singapurs offensichtlich die Zulassung, obwohl wir viele hochqualifizierte Bewerbungen vorzuliegen haben. Aber wir arbeiten weiter an dem Konzept.

Singapur hat sich zudem in den vergangenen Jahren bereits als starker Player im Medizin- und Dentaltourismusmarkt etabliert. Haben Sie vor, mit der neuen Klinik auch in diesem Markt mitzumischen?
Wir glauben schon, dass das ein gutes Geschäft wird. Allerdings wird kaum jemand aus Europa nach Singapur kommen, um sich prothetisch behandeln zu lassen. Was noch nicht abzusehen ist, ob sich aus den entwickelnden Ländern aus der Region immer mehr Patienten in Singapur einfinden, um sich zahnmedizinisch behandeln zu lassen. Die Anfragen aus Indonesien und Malaysia sind auffällig wachsend. Inzwischen suchen wir Investoren, die sich am Ausbau der Klinik beteiligen und die Vermarktung unterstützen. Und wir suchen Zahnärzte aus Singapur, die gut deutsch sprechen!

Vielen Dank für das Interview!

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